Richtig bunt
"Durch die Vielfalt und Komplexität der baulichen und technischen Gegeben heiten, der Abrechnungssysteme und der Verwaltungspraxis von Häusern passt das Energieausweissystem nicht immer zur Lebenswirklichkeit".
Wer sich für den Absturz angeblicher klimapolitischer Heilsbringer interessiert, kam vor einigen Wochen bei der Veröffentlichung des Gutachtens zur Praxis der Energieausweise auf seine Kosten. Noch eine Kostprobe? "Die Fehleranfälligkeit des Energieausweises ist erheblich. Sie ist beim eigentlich als höherwertig geltenden Bedarfsausweis durch die Komplexität der Annahmen und Berechnungen viel höher als beim Verbrauchsausweis".
Nur 29 Prozent der geprüften Bedarfsausweise stellten den Energiebedarf annähernd zutreffend dar. Einzelne Bedarfsausweise wichen vom tatsächlichen Energiebedarf um bis zu 108 Prozent ab. Wann wird eigentlich Milchmädchen erlaubt, Bedarfsausweise auszustellen? Vielleicht senkte dies wenigstens die Kosten für das unsinnige und teure Dokument.
Den damaligen Bauminister informierten wir übrigens schon Anfang 2006 über die ähnlich verheerenden Ergebnisse unseres Tests von Bedarfsausweisen. Die Prüfung lag wohl zu nah an der Lebenswirklichkeit. Die Klimaschutzpolitik mag das nicht. Der Vollständigkeit halber wollen wir am Ende nicht unterschlagen, dass die Gutachter raten, an den Energieausweisen festzuhalten. Sie sparen auch nicht mit feinem Lob: "Der Energieausweis ist ein schönes Formular, die Darstellung der Ergebnisse an der Farbskala kommt gut an". Richtig bunt ist er, unser Ausweis. Das musste mal gesagt werden.
Andreas Stücke |